NEU: Pendlererfahrung - Interview mit Birgit Koch-Heite

Birgit Koch-Heite © Dr. Wiebke Borgers

Birgit Koch-Heite

Birgit Koch-Heite pendelt jeden Morgen von Altenberge nach Münster – 18 Kilometer mit dem E-Faltrad und manchmal auch mit dem Zug. Was sie antreibt, sind drei gute Gründe: Fitness, Flexibilität und Klimaschutz. „Ich bin ein Morgenmensch“, beschreibt sie sich. „Und wenn ich gegen 7.15 Uhr im Büro ankomme, bin ich richtig wach.“

Ohne „E“ wäre es schöner

Wenn sie ihre Strecken beschreibt – und die verändert sie nach Lust und Laune – hört man die Leidenschaft. Ihre Motivation ist nicht, möglichst rasch zum Ziel zu kommen. Was sie reizt, ist vielmehr die Qualität der Strecke. „Ich entscheide morgens spontan, wo ich entlang fahre und was ich gerade brauche für die Seele. Ich liebe die Promenade, und wenn im Frühjahr die Kirschbäume am Schlossgraben blühen, das ist doch umwerfend!“

Birgit Koch-Heite © Dr. Wiebke Borgers

Birgit Koch-Heite

Sie hätte allerdings einige Ideen, wie man die Nahtstellen entlang der Strecke von Altenberge nach Münster verbessern könnte: Ampelschaltungen, Querungen, Beschilderung – da geht ihrer Meinung nach noch so Einiges. „Ich weiß, dass die baulichen Verbesserungen einfach Zeit brauchen“, räumt sie ein. Sie wünscht sich, dass die Radwege breiter und komfortabler werden, damit Begegnungen nicht zu Gefahrensituationen werden. Gerade wenn es dunkel ist, werden Jogger auch mal unsichtbar. Die Flächen für die breiteren Radwege möchte Birgit Koch-Heite gern den Kraftfahrzeugen abzwacken. „Nicht noch mehr Flächenfraß!“ ist ihr Credo.

In Altenberge ist Birgit Koch-Heite Ortsgruppensprecherin des ADFC. Außerdem engagiert sie sich im Eine-Welt-Kreis. Die 59-Jährige hat bereits eine Enkelin und schaut nicht nur deswegen sehr auf die Zukunft. Pendeln mit dem Elektrorad ist für sie daher auch nicht das Optimum. Ihr E-Faltrad ist ein Kompromiss, weil sie aus Zeitgründen den Rückweg oft mit dem Zug bestreitet. Da geht das Faltrad als Gepäckstück durch und kostet nicht extra. Jedoch: „Auf das ‚E‘ würde ich lieber verzichten“, sagt sie. Das geht aber bislang nicht, denn der Arbeitgeber bietet keine Möglichkeit, sich frisch zu machen oder umzuziehen. „In meinem Job im Bauordnungsamt habe ich viel Kundenverkehr, da kann ich nicht völlig verschwitzt sitzen.“

Überhaupt die praktischen Dinge: Mehr sichere Abstellanlagen wären wichtig, findet Koch-Heite, denn die Zahl der Kolleginnen und Kollegen, die mit hochwertigen E-Bikes zur Arbeit kommen, steigt beständig. Und gleichzeitig steigt das Empfinden für die Bedeutung sicherer Fahrradverbindungen: In Altenberge kamen jüngst über 70 Menschen zu einer Fahrraddemo – quer über Partei- und Altersgrenzen. „Wir Altenberger wollen den Wandel unbedingt“, sagt die Radpendlerin gut gelaunt.